Aktuelle Programme

Heinrich Schütz
Musikalische Exequien

SWV 279–281 (op. 7)

BVSETI. Nacket bin ich von Mutterleibe kommen
Konzert in Form einer
deutschen Begräbnis-Missa
SWV 279

II. Herr, wenn ich nur dich habe
Motette für zwei vierstimmige Chöre
SWV 280

III. Herr, nun lässest du deinen Diener
in Frieden fahren -
Selig sind die Toten
für fünfstimmigen Kapellchor
und dreistimmigen Fernchor

Johann Rudolf Ahle
Missa à 6 / Motetten

- Missa à 6
I. Kyrie
II. Gloria
- Wir glauben all an einen Gott
- Unser keiner lebet ihm selber
- Selig sind die Toten

Heinrich Schütz, kurfürstlich-sächsischer Hofkapellmeister in Dresden, kannte Europa von der Adria bis an den Öresund. Johann Rudolf Ahle – vierzig Jahre jünger – kannte Mühlhausen und Erfurt, eine Freie Reichsstadt und eine Universitätsstadt. Der Organist und Kantor Ahle wusste aber sehr wohl, was die Besten seiner Zeit, auch Schütz, komponierten. Seine eigenen, sämtlich gedruckten Kompositionen vokaler Kirchenmusik sind ein Beleg dafür, dass das kulturelle Gedächtnis hin und wieder schmerzliche Lücken aufweist. Er hätte nicht vergessen werden dürfen. Der Berliner Vokalkreis erinnert an den seinerzeit angesehenen Mühlhäuser Organisten und Bürgermeister Ahle, indem er seine Motetten einem einzigartigen Zyklus von Heinrich Schütz gegenüberstellt, den „Musikalischen Exequien“. Schütz folgte 1635/36 mit der Komposition einer Bitte des Herrn Heinrich Posthumus Reuß jüngere Linie in Gera, der die zu vertonenden deutschen Bibeltexte für sein Begräbnis selbst ausgewählt hatte. Für diese einzigartige Aufgabe fand Schütz eine originelle Lösung. Er orientierte sich am Ablauf der Messe und schrieb für ein vielstimmiges Vokalensemble bis hin zu einem Fernchor und Instrumenten. Im klingenden Nebeneinander der Musik zweier großer Meister entsteht so ein faszinierender Blick in die Musik- und Frömmigkeitswelt Mitteldeutschlands in kriegerischen Zeiten.

 

 

Da pacem

Da pacem AkIn den Konzerten wird eine Auswahl aus folgenden Stücken gesungen:

1. Anonymus (aus Polen)
Da pacem, Domine

2. Balthasar Resinarius (um 1480-1546)
Verleih uns Frieden gnädiglich
Choralmotette für vierstimmigen Chor

3. Orlando di Lasso (1532-1594)
Da pacem Domine
Motette zu fünf Stimmen

4. Arvo Pärt (*1935)
Da pacem Domine
für vierstimmigen Chor

5. Enjott Schneider (*1950)
Da Pacem Domine / Verleih uns Frieden
für vier bis achtstimmigen Chor

6. Wolfgang Seifen (*1956)
Sende deinen Frieden
Chorlied für vierstimmigen Chor

7. Wolfgang Seifen (*1956)
Verleih uns Frieden
für vierstimmigen Chor

8. Rudolf Mauersberger (1889-1971)
Wie liegt die Stadt so wüst
Motette für vier bis achtstimmigen Chor

9. Knut Nystedt (1915-2014)
Kyrie eleison
aus Missa brevis op. 102

10. Knut Nystedt (1915-2014)
Peace I leave with you
Motette op. 43 Nr. 2

11. Johann Heinrich Rolle (1716-1785) /
Bearb. Johann Adam Hiller (1728-1804):
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft
Motette für vierstimmigen Chor

12. Moritz Hauptmann (1792-1868)
Verleih uns Frieden
Motette für vierstimmigen Chor

13. Ernst Friedrich Richter (1808-1879)
Wie lieblich sind auf den Bergen
Motette für vierstimmigen Chor

14. Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901)
Kyrie und Dona nobis pacem
aus der Missa brevis Es-Dur JWV 57 (1856)

15. Albrecht Haaf (*1953)
Salam, Shalom: Give peace to every heart
für vierstimmigen Chor

16. Kurt Hessenberg (1908-1994)
O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens
Motette für sechsstimmigen Chor op. 37,1

17. Heinrich Schütz (1585-1672)
Verleih uns Frieden
Motette für fünfstimmigen Chor
aus „Geistliche Chormusik 1648“

18. Heinrich Schütz (1585-1672)
Gib unsern Fürsten
Motette für fünfstimmigen Chor
aus „Geistliche Chormusik 1648“

19. Sethus Calvisius (1556-1615)
Gloria in excelsis Deo
Motette für sechsstimmigen Chor

20. Gottfried August Homilius (1714-1785)
Wünschet Jerusalem Glück
Motette für vierstimmigen Chor

21. Heinrich Poos (*1928)
Dona nobis pacem
für sechsstimmigen Chor

 

Johann Sebastian Bach
Markus-Passion

Ergänzung nach dem Parodieverfahren
mit Kompositionen Johann Sebastian Bachs
von Andreas Fischer (2015)

In einer Werkliste zählte Bachs erster Biograph Johann Nikolaus Forkel 1802: “Fünf Passionsmusiken, unter welchen eine zweychörige ist.” Die Matthäus- und Johannes-Passion sind seit dem späten 19. Jahrhundert, nicht zuletzt von Berlin aus, feste Bestandteile des öffentlichen Musiklebens geworden. Über weitere Kompositionen ist kaum etwas bekannt. Greifbar sind noch Textdrucke, die eine Passion nach dem Evangelisten Markus Bach Markus-Passion Textbelegen, die mindestens 1731 und 1744 in Leipzig aufgeführt wurde. Leider sind keine Noten dieser Komposition erhalten. Schon um 1870 entdeckten Bachforscher, dass der Text von drei Arien und von den Rahmenchören erstaunlich gut auf die Musik einer Trauerode von 1727 auf den Tod einer sächsischen Kurfürstin passen. Das gab den Anstoß zu zahlreichen Versuchen, durch Neukomposition oder Ergänzung mit Werken von Bachs Zeitgenossen die Markuspassion wieder spielbar zu machen. Das außerdem genutzte Verfahren der sogenannten “Parodie”, vorhandener Musik einen neuen Text zu unterlegen, hatte Bach selbst oft angewendet. Große der Teile des Weihnachtsoratoriums und der h-Moll-Messe bestehen aus solchen Zweitverwendungen. Andreas Fischer, Kantor an der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg, hat das Parodieverfahren radikaler als andere vor ihm angewendet. In seiner Fassung von 2015 erleben wir 100% Bach bis hin zum Bericht des Evangelisten (Rezitative). Auch wenn Bach anders vorgegangen wäre, ist ein Werk entstanden, das ohne stilistische Brüche wunderbare Kompositionen Bachs vereint, die sonst nur selten zu hören und die hier auf überzeugende Weise mit dem Text der Passion verbunden sind.

 

 

 

 

 

Schattenstrahlen

Späte Chorwerke
von Robert Schumann
(1810-1856)

Vier doppelchörige Gesänge op. 141

Missa sacra c-Moll op. 147Schattenstrahlen

Unter den etwa sechs Dutzend Chorwerken von Robert Schumann gelten die posthum als op. 141 veröffentlichten “Vier doppelchörigen Gesänge für größere Gesangvereine” als die bedeutendsten. Sie entstanden im Oktober 1849 für den Dresdner Chorgesangverein, den das Ehepaar Schumann erst vor weniger als zwei Jahren gegründet hatte. Die zugrundeliegenden Dichtungen von Friedrich Rückert, Joseph Christian Freiherr von Zedlitz und Goethe stehen auf der Grenze zwischen weltlicher und geistlicher Sphäre. Das Verhältnis von Kunst und Religion, der Gegensatz von Kunstreligion und religiöser Kunst beschäftigte Schumann und seine Zeitgenossen stark. Wie konnte eine Kirchenmusik aussehen, die gleichzeitig Konzertmusik auf der Höhe der Zeit sein sollte? Schumanns Antwort darauf entstand mit der Missa sacra c-Moll op. 147 und dem Requiem Des-Dur 1852 in Düsseldorf, wo Schumann als städtischer Musikdirektor neben Abonnementskonzerten jährlich vier große Konzerte in den beiden größten katholischen Kirchen der Stadt auszugestalten hatte. Eine Aufführung dieser beiden großen Werke für Soli, gemischten Chor und Orchester erlebte der Komponist nicht mehr. Eine von Schumann selbst stammende Fassung der Messe für Chor und Orgel erlaubt es Ensembles, die kleiner sind als die Massenchöre des 19. Jahrhunderts, dieses selten zu hörende Werk aufzuführen.

Peter Härtling beschrieb seinen Roman “Schumanns Schatten” im Untertitel mit “Variationen über mehrere Personen”. Ob die Schatten schon stärker über seiner späten Chormusik liegen als die Strahlen seiner Visionen, möchte der Berliner Vokalkreis gemeinsam mit den Hörenden erkunden.

 

 

Wege. – Grenzen. – Horizonte.

Chorkonzert a cappella
mit Werken von
Gottfried August Homilius, Ernst Friedrich Richter,
Wilhelm Weismann, Ernst Pepping

 

WGH KGottfried August Homilius
(1714-1785)
Motetten

Ernst Pepping
(1901-1981)
“Das gute Leben”

Wilhelm Weismann
(1900-1980)
Psalm CXXI

Ernst Friedrich Richter
(1808-1879)
Psalmmotetten